Was hat dich dazu bewogen, dich im SVIA zu engagieren – und was bedeutet dir dieses Engagement persönlich?
Wenn ich mich nicht täusche, bin ich vor ziemlich genau 15 Jahren dem Vorstand beigetreten. Damals war ich eine Art «informelle» Schnittstelle zur ETH, dies auf Wunsch des damaligen SVIA-Präsidiums und meines langjährigen Vorgesetzten Prof. Juraj Hromkovič. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Funktion noch heute im Auftrag seines Nachfolgers, Prof. Dennis Komm, ausüben darf.
Eine Sache sind die Ziele, die wir als SVIA verfolgen, und unsere vielen Aktivitäten, eine andere sind die Freundschaften, die in diesen 15 Jahren entstanden sind. Mittlerweile weiss ich nicht mehr so genau, was die höhere Priorität hat – aber das ist im Grunde genommen auch nicht besonders wichtig. Wie in jedem gut funktionierenden Verein lässt sich irgendwann «das, was man macht» nicht mehr davon trennen, «mit wem man zusammenarbeitet».
Welche Entwicklungen in der Informatikbildung beobachtest du mit besonderem Interesse?
Die allgemeinbildende Bedeutung der Informatik wurde über lange Zeit klein geredet. Endlich hat es die Informatik geschafft, Bestandteil der schulischen Bildung zu werden, zumindest im Sinne von Curricula und Stundenplänen. Nun gilt es, die Lektionen mit «echtem» Inhalt zu füllen.
Die vielversprechende Entwicklung des Gymnasialfachs darf uns jedoch nicht täuschen. In meinen Augen ist es ähnlich wie beim Schreiben eines Computerprogramms: Wir meinen zu wissen, was wir wollen, haben eine grobe Vorstellung davon, wie wir unser Programm gestalten möchten und wiegen uns deswegen nicht selten in falscher Sicherheit. Die Implementierung ist nie so geradlinig, wie man es sich zu Beginn vorgestellt hat.
Anders gesagt: Der Informatikunterricht befindet sich meines Erachtens noch in einer Pionierphase, und die Knochenarbeit steht uns noch bevor. Ich bin dennoch sehr zuversichtlich, dass uns dies gemeinsam gut gelingen wird. Die Lehrpersonen und der SVIA als Verein der Lehrpersonen spielen in diesem Prozess eine prägende Rolle.
Was wünschst du dir von der Bildungspolitik in Bezug auf Informatikbildung?
Im Zusammenhang mit dem Informatikunterricht am Gymnasium haben wir Fortschritte gemacht, die noch vor 15 Jahren undenkbar gewesen wären: Das Interregnum des obligatorischen Fachs ist bald vorbei, das Grundlagenfach wird in absehbarer Zeit überall in der Schweiz Realität, und das Schwerpunktfach verleiht dem Schulfach Informatik neuen Glanz. Dank den gut besuchten Lehrdiplom-Studiengängen und der schweizweiten GymInf-Weiterbildung verfügen wir über viele kompetente Informatiklehrpersonen.
Aber auch in diesem Fall trügt der Schein: Der Informatikunterricht in der Volksschule geniesst nach wie vor ein Nischendasein. Es gibt kaum Stunden, und die Ausbildung der Lehrpersonen, die schon seit längerer Zeit an der Schule unterrichten, ist kaum vergleichbar mit derjenigen in ihren anderen Unterrichtsfächern. De facto hat fast niemand von ihnen Informatik selbst als Schulfach besucht, und nur die jüngsten hatten Informatik in ihrer Lehrpersonenausbildung. Die Diskrepanz zwischen den Voraussetzungen für die Informatik am Gymnasium und in der Volksschule ist kaum von der Hand zu weisen. Das Vorwissen der Schüler:innen, die ins Gymnasium kommen, ist heterogen, fragil und nicht umfassend genug.
Die Investitionen, die im Zusammenhang mit der Etablierung des neuen Gymnasialfachs Informatik gemacht wurden, werden sich erst vollumfänglich auszahlen, wenn Informatik in einem Spiralcurriculum über die gesamte obligatorische Schulzeit unterrichtet wird, genau wie dies bei allen anderen Fächern der Fall ist.
Die Perspektive des Gymnasiums ist selbstverständlich nicht die einzige, die es zu berücksichtigen gilt: Ein fundiertes Vorwissen in der Programmierung beziehungsweise in den Grundlagen der Informatik hat einen direkten Einfluss auf viele Formen der Berufsbildung, nicht nur auf die Ausbildung von Informatiklernenden.
Die Lehrpersonen sind der Schlüssel zum Erfolg. Von der Bildungspolitik würde ich mir wünschen, dass sie neben den oben angedeuteten strukturellen Anpassungen in den Curricula der obligatorischen Schule ein besonderes Augenmerk auf die Lehrerinnen und Lehrer legt und Programme ermöglicht, die ihre fachlichen und fachdidaktischen Kompetenzen entscheidend fördern.
Und zum Schluss: Welches digitale Gerät oder welche App würdest du nie freiwillig hergeben – und weshalb?
Mein Smartphone beziehungsweise seine Kamera. Ich liebe es, das Telefon spontan aus der Hosentasche zu ziehen und Fotos von meinen Kids zu machen. Die Rückblicke, die ab und zu auftauchen, haben etwas Magisches: Die Abstimmung von Bildern, Videosequenzen und Musik ist sehr beeindruckend.
Und die Tatsache, dass das Gesicht des einen Kinds fälschlicherweise mit dem Namen des anderen Kinds verknüpft wird, macht aus einem recht gut funktionierenden Programm ein … echt «sympathisches» Programm.
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